Chronik Teil III - 1952 bis 1967

 

Die Jahre des Wiederaufbaus

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Mit dem Kriegsende 1945 war auch der Segelflug in Hoya nicht mehr existent. Sämtliches Gerät, zuletzt immerhin 13 Segelflugzeuge mit sämtlichem Zubehör, war vernichtet, jegliche fliegerische Betätigung in Deutschland verboten. Die Lufthoheit lag bei den alliierten Siegermächten.

Noch vorhanden war allerdings der Wille zum Fliegen. Im Jahre 1952 begannen einige ehemalige Segelflieger, aber auch Neuanfänger ohne finanzielle oder sonstige Unterstützung mit dem Eigenbau eines doppelsitzigen Segelflugzeuges vom Typ Doppelraab. Die Arbeiten fanden unter Leitung des schon vor dem Krieg mit dem Bau mehrerer Segelflugzeuge befaßten Bauleiters Ludwig Hennigs in einer kleinen Werkstatt bei "Kachel" Sonntag in Hoya statt. Mit dabei waren u.a. Carl Rippe, Karl-Heinz Nicolai und Willi Wohlers. Niemand wußte zu diesem Zeitpunkt, wo, wann und ob überhaupt mit diesem Gerät geflogen werden konnte. Parallel dazu baute eine andere Gruppe unter Führung von Karl Hunold und Willi Wohlers eine Querschleppwinde.

Nach unzähligen Baustunden stellte die Gruppe diesen für die damaligen Verhältnisse modernen Ausbildungsdoppelsitzer im Sommer 1954 fertig. Der Erstflug der D-6093 auf der Hoyaer Marsch, dem alten angestammten Gelände des SFV Hoya erfolgte am 21.09.1954 durch den Fluglehrer Hans Wolgast, danach nahm dann der "Altmeister" Carl Rippe den Steuerknüppel in die Hand. Ziemlich genau neun Jahre nach Kriegsende kurvte an diesem Tag erstmals wieder ein Segelflugzeug über der Weserstadt. Erwähnenswert ist noch, daß die Bundesrepublik Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch nicht über Souveränität und Lufthoheit verfügte. Diese Rechte erhielt sie erst durch die am 5. Mai 1955 in Kraft getretenenen "Pariser Verträge".

Der Doppelraab erhielt in Anknüpfung an die bis Kriegsende in Hoya vorhandenen 13 Segelflugzeuge die Bezeichnung "Hoya 14" und den Taufnamen "Graf von Hoya". Er verfügte nicht über Landeklappen. Bei jedem Landeanflug mußte ein "Slip" (Seitengleitflug) zur Widerstandsvergrößerung durchgeführt werden. Heute wäre dies unvorstellbar.

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Doppelraab Eigenbau

 

Doppelraab Eigenbau

Doppelraab Eigenbau

 

Doppelraab Eigenbau

 

Doppelraab Eigenbau

 

Doppelraab Eigenbau

 

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1955 Winde

  

 

 

 

 

 

1955 Winde

 

 

 

 

 

 

Flugwochen

 

 

1955 "Graf von Hoya"

 

 

 

Flugwochen

 

 

 

 

 

 

Flugwochen

Startwagen "Eichmann"

 

Am 31.07.1955 absolvierte der "Graf von Hoya" bereits seinen 500. Start bei etwa 50 Flugstunden. Im September 1955 erwarb die Gruppe ein Motorflugzeug vom Typ "Bücker-Bestmann", um einerseits für die Segelflieger Flugzeug-Schleppstarts anbieten zu können, andererseits aber auch, um in Hoya eine Motorfluggruppe aufzubauen.

Die formelle Wiedergründung des Segelflugvereins Hoya vollzog sich allerdings erst auf der Gründungsversammlung am 05.09.1955 im "Lindenhof" in Hoya. Die anwesenden 25 Gründungsmitglieder wählten aus ihrer Mitte Harro Klatte zum 1.Vorsitzenden. Der Verein wurde am 16.09.1955 in das Vereinsregister eingetragen. Ausweislich der Satzung "stellt der Verein die Wiedergründung des Segelflugvereins Hoya dar und übernimmt die Tradition desselben". Die Satzung stellte weiter fest, daß "der Verein die Interessengemeinschaften Segelflug, Motorflug, Modellbau und Ballonflug unterhält und betreibt".

Schon drei Monate später, am 03.12.1955 trat der erste Vorstand des jungen Vereins wieder zurück, der später bis 1982 im Amt des 1. Vorsitzenden verbliebene Dr. Willi Drache setzte sich in einer "Kampfabstimmung" (16 zu 12) gegen seinen Amtsvorgänger Harro Klatte durch. Hintergrund war das finanzielle Desaster um das erst kurz zuvor  erworbene Motorflugzeug "Bücker-Bestmann", das im Jahr danach wieder veräußert wurde. Damit war die breite Ausrichtung auf alle Luftsportarten beendet, der Verein wandte sich nunmehr ausschließlich dem Segelflug zu und blieb fortan bis heute seinem Namen treu.

1956 erwarb der Verein ein grundüberholungsbedürftiges, einsitziges Grunau Baby mit der Kennung D-6155, das nach Wiederherstellung der Lufttüchtigkeit den Namen "Hoya 15" und den Taufnamen "Waschbär" erhielt. Die folgenden Jahre nutzen die Vereinsmitglieder dazu, die hohen Vorleistungen aus dem Eigenbau des Doppelraab und der Grundüberholung des Grunau Baby "abzufliegen". Die Flugwoche im August 1958 brachte mit zwei Segelflugzeugen 488 Starts bei rund 50 Stunden Gesamtflugzeit hervor. Highlights waren mehrere Thermikflüge von 12 bis 32 Minuten Flugzeit. Besonderes erwähnenswert ist allerdings, daß auf dem Fluggelände "Hoyaer Marsch" keine Infrastruktur vorhanden war. Das Gelände wurde landwirtschaftlich als Viehweide genutzt. Die Segelflugzeuge und sämtliches Gerät waren im Ortskern der Stadt Hoya, nämlich in der alten Molkerei untergebracht. Das hieß, frühmorgens Flugzeuge, Winde, Pitty und sonstiges Material zunächst durch die Stadt zum Flugplatz zu fahren, dort alles aufzubauen, nach dem Flugbetrieb wieder alles abzubauen und zurück in die Stadt zu bringen.

Trotz dieser widrigen Umstände begann der Verein unter Leitung des Altbaumeisters Ludwig Hennigs im Winter 1958 mit dem Eigenbau eines weiteren Doppelraab. Dieser sollte aber nun mit Störklappen zur Verbesserung der Landeeigenschaften ausgerüstet werden. Zum Bauen trafen sich die Vereinsmitglieder an den Wochenenden und regelmäßig an zwei Abenden während der Woche in der Vereinswerkstatt in der alten Molkerei. Die folgenden Jahre bestanden mithin aus Fliegen und intensivem Bauen.

Im Winter 1963/1964 bestand der Verein aus 27 aktiven Mitgliedern, die den zweiten Doppelraab nach mehreren tausend Baustunden endlich vollenden konnten. Einen Rückschlag gab es allerdings gleich zu Beginn der Flugsaison 1964, als sich während des Windenstarts bei dem Grunau Baby "Waschbär" der Kupplungsspant löste und das Flugzeug erheblich beschädigt wurde. Dies deutete nach entsprechenden Untersuchungen auf erhebliche Losleimungen hin, so daß das Baby nicht mehr zu reparieren war. Aus dieser Situation erwuchs der Wunsch nach einem fabrikneuen Leistungssegelflugzeug. Durch hohe Zuschüsse der Stadt Hoya und des damaligen Landkreises Grafschaft Hoya erhielt der Verein bereits im Sommer 1964 einen neuen Einsitzer vom Typ Ka 8-b mit der Kennung D-6346, mit dem damals auf Anhieb mehrstündige Thermikflüge gelangen. Mit diesem Flugzeug hatte der Verein wieder Anschluß an zeitgemäße Standards gefunden, allerdings auch endgültig mit der Eigenbautradition abgeschlossen.

Der neue Doppelraab erhielt als Anerkennung und Würdigung der für den Verein erbrachten einzigartigen Leistungen den Taufnamen "Ludwig Hennigs", während die neue Ka 8-b auf den Namen "Stadt Hoya" getauft wurde.  Auch der "Graf von Hoya" erhielt einige Sektspritzer für den in diesem Jahr absolvierten 5000. Start.

Mit der Ka 8-b entwickelte sich auch in Hoya allmählich eine Streckenflugkultur. Zur Erlangung des Leistungsabzeichens "Silber C" waren Überlandflüge von mindestens 50 km Strecke durchzuführen. Dr. Willi Drache erflog sich dieses Abzeichen durch einen Thermikflug nach Hamburg, während der "Altmeister" Carl Rippe mit der "Stadt Hoya" in Bremerhaven landete.

In den Folgejahren arbeitete der Verein zur Stabilisierung seiner Situation an den Planungen für eine eigene Halle und einer neuen Doppeltrommelwinde, die unter Leitung von Willi Wohlers, der schon die erste Eintrommel-Querschleppwinde mitgebaut hatte, fachkundig entstand.

Diese Winde setzte der Verein erstmals in der Flugwoche 1967 ein. Es wurden 346 problemlose Starts unter Aufsicht der Fluglehrer Carl Rippe, Karl-Heinz Nicolai und Dr. Hansklaus "Max" Rummler durchgeführt.

Die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern der "Hoyaer Marsch", der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das THW Hoya und der Fa. Europa Carton AG verliefen ebenfalls zufriedenstellend, so daß noch im Jahr 1967 eine kurzfristig erworbene ehemalige Bürobaracke, die von der Bundeswehr angeliefert wurde, in Eigenleistung umgebaut und errichtet werden konnte.

Damit endete die Zeit des täglichen Auf- und Abrüstens der Flugzeuge. Schleppwinde und Fluggerät konnten von nun an kurzfristig an den Start gehen.

Der 1. Vorsitzende Dr. Drache betonte in seiner Einweihungsansprache vor zahlreichen Vertretern aus Politik und Wirtschaft die historischen Parallelen zu der etwa 35 Jahre zuvor errichteten und den Kriegswirren zum Opfer gefallenen ersten "Hindenburg-Halle" des Vereins.

Mit dem später unter dem Namen "Holzhalle" bekanntgewordenen Bauwerk hatte sich der SFV Hoya nach den Jahrzehnten des Wiederaufbaus nun wieder eine komplette Infrastruktur selbst geschaffen, die als Grundstein für die weitere Entwicklung von großer Bedeutung war. Mit der spontanen Anschaffung einer gebrauchten doppelsitzigen Ka 7 mit der Kennung D-6570 von der Segelflugschule Oerlinghausen. die von den Flugleistungen her mit der Ka 8-b vergleichbar ist, rundete der Verein sein Angebot ab, denn von nun an konnten die Fluglehrer ihr Wissen bezüglich des Leistungssegelfluges unmittelbar an die Vereinsmitglieder weitergeben.

Damit war der SFV Hoya wieder fest in das Segelfluggeschehen der Bundesrepublik Deutschland etabliert.

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1955 500. Start

 

 

 

 

 

 

1955 500. Start

 

 

 

 

 

 

1955 "Graf von Hoya"

 

 

 

 

 

 

Grunau Baby"Hoya 15"

 

 

 

 

 

 

Carl Rippe

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... mit Willi Drache

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Rohbau Halle 1

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Halle 1 1967

 

1967 Holzhalle

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