| Am 31.07.1955 absolvierte der "Graf von Hoya" bereits seinen
500. Start bei etwa 50 Flugstunden. Im September 1955 erwarb die Gruppe ein Motorflugzeug
vom Typ "Bücker-Bestmann", um einerseits für die Segelflieger
Flugzeug-Schleppstarts anbieten zu können, andererseits aber auch, um in Hoya eine
Motorfluggruppe aufzubauen.
Die formelle Wiedergründung des Segelflugvereins Hoya vollzog sich allerdings erst auf
der Gründungsversammlung am 05.09.1955 im "Lindenhof" in Hoya. Die anwesenden
25 Gründungsmitglieder wählten aus ihrer Mitte Harro Klatte zum 1.Vorsitzenden. Der
Verein wurde am 16.09.1955 in das Vereinsregister eingetragen. Ausweislich der Satzung "stellt
der Verein die Wiedergründung des Segelflugvereins Hoya dar und übernimmt die Tradition
desselben". Die Satzung stellte weiter fest, daß "der Verein die
Interessengemeinschaften Segelflug, Motorflug, Modellbau und Ballonflug unterhält und
betreibt".
Schon drei Monate später, am 03.12.1955 trat der erste Vorstand des jungen Vereins
wieder zurück, der später bis 1982 im Amt des 1. Vorsitzenden verbliebene Dr. Willi
Drache setzte sich in einer "Kampfabstimmung" (16 zu 12) gegen seinen
Amtsvorgänger Harro Klatte durch. Hintergrund war das finanzielle Desaster um das erst
kurz zuvor erworbene Motorflugzeug "Bücker-Bestmann", das im Jahr danach
wieder veräußert wurde. Damit war die breite Ausrichtung auf alle Luftsportarten
beendet, der Verein wandte sich nunmehr ausschließlich dem Segelflug zu und blieb fortan
bis heute seinem Namen treu.
1956 erwarb der Verein ein grundüberholungsbedürftiges, einsitziges Grunau Baby mit
der Kennung D-6155, das nach Wiederherstellung der Lufttüchtigkeit den Namen "Hoya
15" und den Taufnamen "Waschbär" erhielt. Die folgenden Jahre nutzen die
Vereinsmitglieder dazu, die hohen Vorleistungen aus dem Eigenbau des Doppelraab und der
Grundüberholung des Grunau Baby "abzufliegen". Die Flugwoche im August 1958
brachte mit zwei Segelflugzeugen 488 Starts bei rund 50 Stunden Gesamtflugzeit hervor.
Highlights waren mehrere Thermikflüge von 12 bis 32 Minuten Flugzeit. Besonderes
erwähnenswert ist allerdings, daß auf dem Fluggelände "Hoyaer Marsch" keine
Infrastruktur vorhanden war. Das Gelände wurde landwirtschaftlich als Viehweide genutzt.
Die Segelflugzeuge und sämtliches Gerät waren im Ortskern der Stadt Hoya, nämlich in
der alten Molkerei untergebracht. Das hieß, frühmorgens Flugzeuge, Winde, Pitty und
sonstiges Material zunächst durch die Stadt zum Flugplatz zu fahren, dort alles
aufzubauen, nach dem Flugbetrieb wieder alles abzubauen und zurück in die Stadt zu
bringen.
Trotz dieser widrigen Umstände begann der Verein unter Leitung des Altbaumeisters
Ludwig Hennigs im Winter 1958 mit dem Eigenbau eines weiteren Doppelraab. Dieser sollte
aber nun mit Störklappen zur Verbesserung der Landeeigenschaften ausgerüstet werden. Zum
Bauen trafen sich die Vereinsmitglieder an den Wochenenden und regelmäßig an zwei
Abenden während der Woche in der Vereinswerkstatt in der alten Molkerei. Die folgenden
Jahre bestanden mithin aus Fliegen und intensivem Bauen.
Im Winter 1963/1964 bestand der Verein aus 27 aktiven Mitgliedern, die den zweiten
Doppelraab nach mehreren tausend Baustunden endlich vollenden konnten. Einen Rückschlag
gab es allerdings gleich zu Beginn der Flugsaison 1964, als sich während des Windenstarts
bei dem Grunau Baby "Waschbär" der Kupplungsspant löste und das Flugzeug
erheblich beschädigt wurde. Dies deutete nach entsprechenden Untersuchungen auf
erhebliche Losleimungen hin, so daß das Baby nicht mehr zu reparieren war. Aus dieser
Situation erwuchs der Wunsch nach einem fabrikneuen Leistungssegelflugzeug. Durch hohe
Zuschüsse der Stadt Hoya und des damaligen Landkreises Grafschaft Hoya erhielt der Verein
bereits im Sommer 1964 einen neuen Einsitzer vom Typ Ka 8-b mit der Kennung D-6346, mit
dem damals auf Anhieb mehrstündige Thermikflüge gelangen. Mit diesem Flugzeug hatte der
Verein wieder Anschluß an zeitgemäße Standards gefunden, allerdings auch endgültig mit
der Eigenbautradition abgeschlossen.
Der neue Doppelraab erhielt als Anerkennung und Würdigung der für den Verein
erbrachten einzigartigen Leistungen den Taufnamen "Ludwig Hennigs", während die
neue Ka 8-b auf den Namen "Stadt Hoya" getauft wurde. Auch der "Graf
von Hoya" erhielt einige Sektspritzer für den in diesem Jahr absolvierten 5000.
Start.
Mit der Ka 8-b entwickelte sich auch in Hoya allmählich eine Streckenflugkultur. Zur
Erlangung des Leistungsabzeichens "Silber C" waren Überlandflüge von
mindestens 50 km Strecke durchzuführen. Dr. Willi Drache erflog sich dieses Abzeichen
durch einen Thermikflug nach Hamburg, während der "Altmeister" Carl Rippe mit
der "Stadt Hoya" in Bremerhaven landete.
In den Folgejahren arbeitete der Verein zur Stabilisierung seiner Situation an den
Planungen für eine eigene Halle und einer neuen Doppeltrommelwinde, die unter Leitung von
Willi Wohlers, der schon die erste Eintrommel-Querschleppwinde mitgebaut hatte, fachkundig
entstand.
Diese Winde setzte der Verein erstmals in der Flugwoche 1967 ein. Es wurden 346
problemlose Starts unter Aufsicht der Fluglehrer Carl Rippe, Karl-Heinz Nicolai und Dr.
Hansklaus "Max" Rummler durchgeführt.
Die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern der "Hoyaer Marsch", der
Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das THW Hoya und der Fa. Europa Carton AG
verliefen ebenfalls zufriedenstellend, so daß noch im Jahr 1967 eine kurzfristig
erworbene ehemalige Bürobaracke, die von der Bundeswehr angeliefert wurde, in
Eigenleistung umgebaut und errichtet werden konnte.
Damit endete die Zeit des täglichen Auf- und Abrüstens der Flugzeuge. Schleppwinde
und Fluggerät konnten von nun an kurzfristig an den Start gehen.
Der 1. Vorsitzende Dr. Drache betonte in seiner Einweihungsansprache vor zahlreichen
Vertretern aus Politik und Wirtschaft die historischen Parallelen zu der etwa 35 Jahre
zuvor errichteten und den Kriegswirren zum Opfer gefallenen ersten
"Hindenburg-Halle" des Vereins.
Mit dem später unter dem Namen "Holzhalle" bekanntgewordenen Bauwerk hatte
sich der SFV Hoya nach den Jahrzehnten des Wiederaufbaus nun wieder eine komplette
Infrastruktur selbst geschaffen, die als Grundstein für die weitere Entwicklung von
großer Bedeutung war. Mit der spontanen Anschaffung einer gebrauchten doppelsitzigen Ka 7
mit der Kennung D-6570 von der Segelflugschule Oerlinghausen. die von den Flugleistungen
her mit der Ka 8-b vergleichbar ist, rundete der Verein sein Angebot ab, denn von nun an
konnten die Fluglehrer ihr Wissen bezüglich des Leistungssegelfluges unmittelbar an die
Vereinsmitglieder weitergeben.
Damit war der SFV Hoya wieder fest in das Segelfluggeschehen der Bundesrepublik
Deutschland etabliert. |