| . | |||||||||||||||||
|
Das Jahr 1934 begann zunächst mit einer Inspektion der Ortsgruppe durch
die Landesgruppenleitung Hannover. Dabei wurde festgestellt, daß als Folge der zu hohen
Innenluftfeuchtigkeit der Hindenburg-Halle die Kassel 12 vollständig und die Kassel 20
erheblich beschädigt waren. Die Inspektoren bemängelten ferner, daß in Hoya kein
Flugzeug im Bau war. Die Auflösung der Ortsgruppe stand zur Debatte. Zur Abwendung dieser Androhung bauten die Segelflieger innerhalb von nur wenigen Wochen eine eigene großzügige Werkstatt in die Halle ein. Nachdem dies vollbracht war, begann die Gruppe mit dem Eigenbau eines modernen Segelflugzeuges vom Typ "Grunau 9". Parallel dazu bestellte die Gruppe als Ersatz für die Kassel 12 eine fabrikneue "Grunau 9", die bereits im Juli 1934 ausgeliefert wurde. Sogenannte "Stützpunkte" zunächst in Bruchhausen-Vilsen, dann in Sulingen und in Thedinghausen ermöglichten einen regen Baubetrieb. Das dafür benötigte Personal kam von den Arbeitsämtern. Unter Anleitung der Bauleiter Johann Grobe (abgeordnet nach Sulingen) und Ludwig Hennings (Hoya) baute die Ortsgruppe in Hoya und in ihren Stützpunkten Flugzeuge über Flugzeuge in Tages- und Nachtschichten. Eine Grunau 9 etwa entstand in nur drei Monaten Bauzeit. In diesem Jahr bauten die Beteiligten zwei Grunau 9 (Hoya 5 und Hoya 7) sowie einen 12 m-Zögling (Hoya 6). Die Zeit vom 12.07. bis 22.07.1934 verbrachte die Ortsgruppe Hoya in einem Fliegerlager in Kuppendorf bei Sulingen. An diesem von Carl Rippe geleiteten Lehrgang nahmen 17 Schüler teil, davon erwarben sieben Neulinge ihre A-Prüfung. Dafür mußten fünf Gleitflüge zu je 20 Sekunden Dauer, davon ein Flug mit einer Dauer von 30 Sekunden absolviert werden. Insgesamt brachte es der Lehrgang auf 286 Gesamtstarts. |
||||||||||||||||
| . |
| Etwa 1933 überlegte insbesondere Carl Rippe, wie die Flugzeuge auf andere Art und Weise als am Gummiseil gestartet werden könnten. Autoschleppversuche fanden statt, brachten aber nicht den gewünschten Erfolg. 1934 erhielten alle Ortsgruppen im DLV die Anweisung, Hochstartmöglichkeiten mit stehenden Windenfahrzeugen zu entwickeln und zu bauen. Vorgegeben war der zwingende Einbau einer Kappvorrichtung. Es war insbesondere Carl Rippe, der hin und her tüftelte und schließlich zum heute gebräuchlichen Windenstart kam, der zunächst auf geradezu abenteuerliche Art und Weise zustande gebracht wurde. Ein Auto, das vom Schrottplatz stammte, wurde aufgebockt, ein Rad entfernt und die Felge zur Trommel umgebaut. Die aus den 30er-Jahren stammenden Bilder zeigen deutlich ein an das Fahrzeug angebautes Seilführungssystem mit Rollen. Benutzt wurde anfänglich eine Wäscheleine. Die Hoyaer Zeitung beschreibt diesen Vorgang wie folgt: "Als es sich in der damaligen Provinz Preußen herumsprach, das man in Hoya sagenhafte Höhen erreichte, erschienen die Kollegen von der Akaflieg aus Braunschweig, um sich von den neuen Möglichkeiten des Starts zu überzeugen. Es dauerte nicht lange, und in ganz Deutschland versuchte man es mit dem Hoyaer Windenstart. Heute spricht kein Mensch mehr davon, daß in Hoya praktisch der Grundstein für den heutigen Segelflug gelegt worden ist." Der Chronist will nun nicht behaupten, daß die Segelflieger aus Hoya den Windenstart alleine und zuerst erfunden haben. Möglich ist das zwar, wahrscheinlich aber haben mehrere Gruppen in etwa zeitgleich diese Startmöglichkeit entwickelt. Mit Sicherheit aber waren die Hoyaer Segelflieger, allen voran Carl Rippe an der Realisierung des Windenstarts maßgeblich beteiligt. Die Hoyaer Winde funktionierte einwandfrei, so daß die Hoyaer das Gerät auf Flugtagen anderer Ortsgruppen vorstellten, etwa 1935 in Vechta. |
|
||||||||||||||||
| . |
|
Es folgten nun Flugzeuge über Flugzeuge, die teils selbst gebaut, teils auch vom damaligen Reichsluftfahrtministerium mit paramilitärischen Absichten bereit gestellt wurden. Diese Flugzeuge erhielten an den Seitenleitwerken die schon bekannten Namen, durchnumeriert bis "Hoya 13". Neben der Halle errichteten die Mitglieder ein etwa 100 qm großes Blockhaus mit Übernachtungsmöglichkeiten. 1937 wurde der bisherige Segelflugplatz "Viehweide" von der Luftwaffe in Beschlag genommen und zu einem großen Feldflugplatz ausgebaut. Die Segelflieger konnten dort verbleiben, allerdings fiel die erst 1933 von dem damaligen Segelflugverein noch in Eigenleistung errichtete Hindenburg-Halle den Kriegsplänen der Nationalsozialisten zum Opfer und wurde 1938 abgerissen. Es ist nicht bekannt, ob in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 in Hoya regelmäßig im Segelflug geflogen werden konnte. Die Ortsgruppe Hoya verfügte jedenfalls gegen Kriegsende über 13 eigene Segelflugzeuge und gehörte zu den führenden Segelfluggruppen in Deutschland. Der Feldflugplatz Hoya wurde gegen Kriegsende durch einen Bombenangriff nahezu vollständig zerstört, die noch übrig gebliebenen Segelflugzeuge fielen einer sinnlosen Zerstörungsaktion zum Opfer, Werkzeuge und noch brauchbares Material wurden geplündert. Nachdem die Siegermächte nach Kriegsende jegliches Fliegen über Deutschland verboten hatten, waren damit dem Segelflug in Hoya sämtliche Grundlagen entzogen. Nichts von dem, was der alte Segelflugverein Hoya einst geschaffen hatte, war mehr vorhanden. Man stand vor einem Trümmerhaufen... |
||||||||||||||||||||||||||||
| . | |||||||||||||||||||||||||||||